XTERRA Malta 2017 – Raceday

Als ich am Samstag nochmal kurz auf der Mountainbikestrecke war, hatte ich doch glatt an einem Anstieg einen Sturz und zog mir an dem scharfkantigen Gestein eine Schnittwunde an der Hand und am Schienbein zu. Da dachte ich mir schon, ob das wirklich so eine gute Idee gewesen ist, als Profi an den Start zu gehen. Mein Selbstbewusstsein litt extrem darunter, da ich wusste, ich bin hier zudem auch mit dem falschen Material am Start. Denn eigentlich hätte ich hier mit unserem racextract Sparrowhawk 29er Racefully an den Start gehen müssen und nicht mit einem Sparrow-Hardtail. Aber egal, da musste ich jetzt irgendwie durch. In der Rennbesprechung wurde dann noch verkündet, dass die Rennstrecke in diesem Jahr noch technischer sei als in den Vorjahren, d.h. die leichteren Passagen waren aus dem Kurs herausgenommen worden. Und genau das machte es für mich, der normalerweise beim Mountainbiken die meiste Zeit herausholt, superschwierig. Ich wusste also, dass ein Platzierung in den Top 10 äußerst schwierig werden wird.

Raceday

Heute fühlte ich mich eigentlich ziemlich stark und wollte dieses Rennen einmal superstrukturiert angehen. Noch vor dem Frühstück brachte ich mein Bike in die Wechselzone. Wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise eher derjenige bin, der dies ein paar Minuten vor Rennstart erledigt. Aber als Profi wollte ich dies natürlich auch professionell angehen. Der beste Platz war noch frei, also hing ich mein Bike dahin und platzierte all meine Utensilien auch dort. Dann ging ich frühstücken und noch einmal zurück aufs Zimmer, weil ich ja so gut in der Zeit lag. Meiner Freundin schwärmte ich noch von meinem supertollen Stellplatz vor.

Wechselzone

Gegen 8:30Uhr erhielt ich auf meinem Instagram Account (joergscheiderbauer -> bitte folgen!!!) eine Nachricht von meinem Profikollegen Stephan Radeck, der mich drauf aufmerksam machte, dass ich mein Bike noch woanders hinhängen muss, da ich den Platz der besten Profifrau genommen hatte. So war meine Zeitplanung dann erst mal im Eimer, zumal die Wechselzone um 8:30 schloss.

 

Einschwimmen

Ok, irgendwie bekam ich dann doch noch alles auf die Reihe und es ging ans Einschwimmen. Die Wassertemperatur betrug 15 Grad und ich hyperventilierte bereits beim Einschwimmen und dachte mir, oh mein Gott, was tust du hier als alter Mann bei den Profis, die mindestens 10 Jahre jünger als ich sind.

Schwimmstart

Der Nervositätspegel stieg. Aber dann war es auch schon soweit, dass das Rennen losging. Den Schwimmstart verkorkste ich total und kam mit dem hohen Anfangstempo überhaupt nicht zurecht. Bereits an der ersten Boje musste ich mich hinter den ersten Frauen einreihen. Ich wusste, dass meine Schwimmleistung miserabel ist und ich überhaupt keinen Rhythmus in den hohen Wellen und dem kalten Wasser finden konnte. Beim Wechsel aufs Rad hatte ich bereits 2:30 Minuten Rückstand auf den Führenden Spanier.

Meine Königsdisziplin: Mountainbiken

Auch das Radfahren wollte nicht so richtig rund laufen. Nach der ersten 15km Runde hatte ich meinen Abstand auf die Top 5 gerade mal halten aber nicht verringern können. Jetzt reichte es mir. Doch das Problem war: jetzt stürzte ich auch noch, wieder am Anstieg. Ich ließ einen Schrei fahren und sagte mir selbst, was für ein Weichei ich bin und trat in die Pedale wie ein Wahnsinniger. Nur zwei Minuten später war der erste Topfavorit in Sichtweite, ich fackelte nicht lange und zog an ihm vorbei. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ich fand meinen gewohnten Rhythmus und konnte einen Fahrer nach dem anderen kassieren. Kurz vor dem Wechsel konnte ich auch Tomas Kubek aus der Slowakei einholen.

Auf die Laufstrecke

Auf die Laufrunde startete ich als  4. und hier lief es überraschenderweise dann richtig rund. Ich konnte Kubek auf Distanz halten und musste in der zweiten Laufrunde lediglich kurz vor dem Ziel Jan Pjott vorbeiziehen lassen. Überlgücklich konnte ich dann als 5. die Ziellinie überqueren und schaffte es nach 6 Jahren XTERRA Pause direkt wieder aufs Podest. Ich traue mir in dieser Saison noch sehr viel zu und will natürlich nach diesem alles in allem suboptimalen Rennen bei anderen Gelegenheiten noch weiter nach vorne kommen.